Tinutul Reghinului


Steme si insemne de breasla din Transilvania (DE)

Forschungszweck und Hauptfrage der Fachliteratur

Von Dorin-Ioan Rus in Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde , Band 26 (97), Heft 1, Heidelberg, 2003 , p. 191-193

Im Rahmen einer gleichnamigen Doktorarbeit an der Universität Hermannstadt sollen die Zunftzeichen aus Siebenbürgen erfaßt und in einem europäischen Kontext gestellt werden. Die Mehrzahl der mittelalterlichen Einwanderer nach Siebenbürgen kam aus den deutschen Ländern. Daher finden sich vergleichbare Zeichen vorwiegend in Museen deutscher Städte, die somit als wichtige Belege für gesamteuropäische Verbindungen im Rahmen der deutschen „Ostsiedlung“ dienen. Das Siegelwesen der Zünfte hat eine vielfältige Ausprägung erfahren und ermöglicht daher weitreichende Schlüsse zur Kulturgeschichte Siebenbürgens und seines Handwerks.

Die ersten drei Kapitel der Arbeit behandeln die Geschichte der siebenbürgischen Zünfte und deren Zunftwappen in allgemeinen unter besonderer Berücksichtigung der sogenanten „Zunftpatrone“, deren Zeichen die Zünfte übernahmen und weitertrugen[1]. Des weiteren werden die Entwicklung der Zunftwappen, die Anwendung des Meisterzeichens, der Zunfttafeln, der Petschaften und anderer Elemente des Zunftwesens untersucht.

Siebenbürgische Zunfterzeugnisse sind in ganz Europa anzutreffen, besonders in deutschsprachigen Mitteleuropa, einem wichtigen Absatzmarkt für das siebenbürgische Handwerk. Auch wanderten sächsische Handwerksgesellen häufig durch die deutschen Ländern und hinterließen ihre Spuren in Form von Zunftzeichen. In vielen Museen Deutschlands, etwa in München, Nürnberg, Köln, Frankfurt/Main oder Regensburg, sowie Österreichs, zum Beispiel in Wien oder Salzburg, sind Zeichen siebenbürgischer Gewerbe sowohl auf Erzeugnissen als auch auf Petschaften, Zunfttafeln und Zunftladen erhalten. Durch diese Wechselbeziehung läßt sich zum Beispiel auch das ungewohnte Bild des Hermannstädter Meserschmiedesiegels, ein in eine Krone gestecktes Messer, vermutlich auf das Nürnberger Messerschmiedesiegel zurückführen. Auch die in Deutschland häufig anzutreffenden drei Sterne auf Schustersiegeln sind für Siebenbürgen nachgewiesen worden. Somit könnte ein Vergleich der Zahlreichen binnendeutschen Handwerkersiegel mit jenen in Siebenbürgen bislang unbekannte Zusammenhänge hervorbringen.

Die nicht zu übersehende Parallelität in der Entwicklung der Zunftsiegel in den deutschen Ländern und in Siebenbürgen ist wohl in Gesellenwanderungen zurückzuführen. Das schließt sowohl siebenbürgische Gesellen ein, die nach Mitteleuropa gingen, als auch zugewanderte deutsche Handwerker in jene siebenbürgischen Städte, in denen „Zunft gehalten wurde“. Auf diese Weise gelangten wohl nicht selten gesiegelte Zunftbriefe aus dem Ausland in die Hände siebenbürgischer Meister, denen die Siegel Vorbild bei der Gestaltung der eigenen Zunftwappen gewesen sein können[2]. Solche wechselseitigen Zusammenhänge lassen sich auch für die Siegel verschiedener siebenbürgischer Zünfte nechweisen.

Das Studium dieser Zunftzeichen ist allerdings aus zwei weiteren Gründen von großer Bedeutung: es bereichert unser Verständnis der Technikgeschichte und der Entwicklung von Werkzeugen in Siebenbürgen, da es den Mangel an Kenntnissen über das technische Niveau jener Zeit ersetzt. Zudem erlaubt der Rückgriff auf Zunftzeichen aus den deutschen Ländern eine gewisse Rekonstruktion von zahlreichen fehlenden, Zerstörten siebenbürgischen Zunftwappen, da die Ikonographie jener Zeit in unterschiedlichen Regionen Europas, so auch in weiten Teilen Mittel- und Ostmitteleuropas, vergleichbar war.

Behandelter Zeitraum und Quellenlage

Die Untersuchung reicht vom 14. bis 19. Jahrhundert, jedoch liegt der Schwerpunkt auf dem 16. und 18. Jahrhundert, in denen die Zünfte ihre Blütezeit erlebten.

Die Bibliographien zur siebenbürgischen Zunftgeschichte erfaßen faßt ausschließlich das 14. bis 16. Jahrhundert. Es gibt jedoch keine brauchbaren Werke, die eine zusammenhängende Geschichte der Zünfte über diesen Zeitraum darstellen. Das einzige vorhandene Werk von Ştefan Pascu (Meşteşugurile din Transilvania până în secolul al XVI-lea [Die Handwerke in Siebenbürgen bis zum 16. Jahrhundert], Bucureşti, 1964), ist von offiziellen Geschichtsschreibung beeinflußt und mit gewissen Fehlern behaftet. Für der Zeitraum vom 16. bis 19. Jahrhundert gibt es nur Werke zur allgemeinen Wirtschaftsgeschichte, zur Geschichte der Zünfte einzelner Städte oder zu bestimmten Aspekten des Zunftlebens. Hinsichtlich der Zunftsymbole werden diese in der Darstellung einzelner Zunftmateriale wie Laden, Siegel, Zunftregelungen oder Möbel abgehandelt.

Archivbestände in den Staatsarchiven enthalten Zunfturkunden, aber viele sind ohne Petschaft gesiegelt. In den siebenbürgischen Staatsarchivfilialen bestehen Zunftbestände, die jedoch unvollständig oder ohne Siegel sind. Solche Sammlungen sind über ganz Siebenbürgen verstreut; so finden wir zum Beispiel die Mühlbächer Zunfturkunden außer in Karlsburg auch in Hermannstadt und Klausenburg.

Daneben werden auch andere Quellen ausgeschöpft, etwa Grabsteine und Grabplatten in Kirchen und auf Friedhöfen, Zunftladen und Zunfttafeln aus siebenbürgischen Museen, Zunftembleme auf Gegenständen, die bei festlichen Gelegenheiten benutzt wurden, wie etwa Kannen, Gläser oder Tragbretter, sowie Gesellenbücher und Register in den entsprechenden Archiven.

Forschungszweck vor dem Hintergrund der bestehenden Fachliteratur

Die Fachliteratur hat sich bislang nur wenig mit den siebenbürgischen Zunftzeichen beschäftigt. Grundlegende ikonographische und heraldische Untersuchungen fehlen ohnehin gänzlich ebenso wie ein Vergleich zwischen siebenbürgischen und anderen europäischen Zunftzeichen. Es gilt auch, die kunstlerische Entwicklung der Zunftzeichen nachzuvollziehen. Vermißt wird zudem eine Darstellung wirtschaftlicher und profesioneller Beziehungen zwischen Siebenbürgen und den deutschen Ländern.

Ein wichtiger Aspekt waren die Wanderungen der Handwerksgesellen aus sächsischen Orten nach Europa. Die Gesellenwanderungen waren Teil eines gesamteuropäischen Integrationsprozesses. Dieser Aspekt der wirtschaftlichen Beziehungen ist ebenfalls noch nicht erschöpfend dargestellt. Aus diesem Grund muß auch die Geschichte der Zünfte und Handwerke in Deutschland in die Untersuchungen mit einbezogen werden, da die deutschen Handwerker eine wichtige Rolle bei der Entstehung der siebenbürgischen Zünfte einnahmen.


[1] Dorin-Ioan Rus, Alegerea sfinţilor patroni ai unor bresle din Transilvania.I, [Auswahl der Schutzpatrone einiger siebenbürgischen Zünfte] in Marisia-etnografie, Bd. 26., Târgu-Mureş, 2000, S. 163-169;

[2] A. Eichhorn, Siebenbürgische Zunftsiegel, in Forschungen zur Volks- und Landeskunde, Bd. XII, 2, 1969, S. 78;

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